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Es ist aber der Glaube
eine feste Zuversicht dessen, was man hofft,
und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.

Hebräer 11, 1

 

 

Monatsgedanken Mai 2018

Wer hätte sie nicht schon mehrmals gesehen - diese drei Punkte auf gelbem Hintergrund. – Doch die Menschen, die dieses Symbol auf ihrer Kleidung tragen, haben es noch nie gesehen. Etwa 150.000 Menschen in Deutschland sind vollständig blind. Hinter diesen Zahlen und dem Symbol stehen Personen, die eben nicht die Welt mit eigenen Augen sehen können. Wir anderen leben in einer Welt des Sichtbaren. Wir bewundern gerade in der Frühlingszeit die explodierenden Blütenfarben und die immer früher aufgehende und ins rote Licht getauchte untergehende Sonne in ihrem Wechselspiel des Lichts und können uns daran gar nicht satt sehen. Aber eigentlich ist das für uns auch schon so selbstverständlich, dass wir dieses SEHEN gar nicht wertschätzen. Da lohnt es sich, einmal ein Dunkelrestaurant zu besuchen. Eines davon wirbt mit der Aussage: „Genießen Sie in völliger Finsternis die Explosion der Sinne.“ So ein Dunkelrestaurant unterscheidet sich nicht von einem normalen Restaurant – außer: es ist stockfinster dort. Besucher berichten immer wieder, wie sich tatsächlich die Sinne erweitern und eine ganz andere Sichtweise möglich wird. Plötzlich gibt es unbekannte Wahrnehmungskanäle: man bewegt sich blind auf Gegenstände zu und fühlt diese, ohne sie zu sehen, man nimmt Gerüche wahr, die man vorher nie beachtet hat, der Fußboden wird von den Füßen gesehen, die Ohren hören in der Stille Dinge, die der Sehende nicht hört. Die Liste der Sinneserfahrungen ließe sich erweitern. Der Monatsspruch des hellen Monats Mai hat genau damit zu tun - mit einer unsichtbaren Welt, die nur über den Wahrnehmungskanal des Glaubens erkennbar wird. Gerade GLAUBE wird aber fast ausschließlich mit dem Sichtbaren verbunden. „Ich glaube nur, was ich sehe“, ist ein Satz, der die Sichtbarkeit zum Maßstab der Wahrheit macht. Der Begriff GLAUBEN wird oft auf die Ebene eines „KANN SEIN ODER KANN AUCH NICHT SEIN“ gebracht. Und die Schwester dieses Gedankens ist der ZWEIFEL. Dagegen wird WISSEN gerne mit Naturwissenschaft in Verbindung gebracht, und deren Bruder ist vermeintlich die WAHRHEIT. Aber eigentlich macht uns gerade die Naturwissenschaft schnell darauf aufmerksam, dass es Welten gibt, die da sind, ohne dass man sie sehen kann. So wohnen allein in unserem Mund etwa 33.000 Arten von Bakterien, davon besiedeln 9.000 allein unsere Zunge und leben in ihrer „Welt“. Die Mediziner schätzen das Gesamtgewicht der Bakterienwelt im Körper auf rund 2 kg. Und alle sind unsichtbar, aber durchaus mit den modernen Methoden erfassbar zu machen. Und wer hat denn schon die elektromagnetischen Wellen gesehen, die unsere Handykommunikation erst möglich macht? Jesus von Nazareth hatte noch kein Handy, aber auch dafür den passenden Satz: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben“ (Joh.20,29). Glaube ist aber in diesem Verständnis nicht Spekulation, sondern, wie es der Schreiber des Hebräer-Briefes sagt, ein „Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht“. Und damit meint er Gottes unsichtbare Welt. Dass diese wirklich ist, dazu gehört ein „inneres Überführtsein“, wie man den Hebräertext auch übersetzen kann. Sich diesen Glaubenskanal zu öffnen, ist manchmal genauso schwierig wie über Bluetooth sein Handy mit dem Autocomputer oder einem Streaming-Gerät zu verbinden. Christen bauen ihre Verbindung zu Gott über das Gebet auf. Dieses ermöglicht das Eintauchen in die unsichtbare Welt Gottes. Dazu schreibt der Apostel Paulus schon um 55 n.Chr.: Wir sind Christen, „die (…) nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.“ (2. Kor. 4,18) Und wer wollte bestreiten, dass alles Sichtbare vergänglich ist, wenn er etwa alte Fotos von sich selbst sieht? Man bezweifelt es fast, dass man dort selbst zu sehen ist. Aber es bleibt dabei, von Gottes Welt gibt es keine sichtbaren Fotos, sondern die Erfahrungen von Menschen über jene anderen Wahrnehmungskanäle, die den Glauben ausmachen. Wo aber beginnt die unsichtbare Welt? Gott ist im Himmel, so eine alte Formulierung. Aber der erste Mensch, Juri Gagarin, der mit eigenen Augen ins Weltall schauen konnte, schickte 1961 aus seiner Raumkapsel den Funkspruch zur Erde: „Ich habe Gott gesucht, aber nicht gefunden.“ Der Mainzer Universitätsprofessor, Mathematiker und Naturwissenschaftler Hans Rohrbach schrieb etwa zur Gagarin-Zeit über die beiden Welten: „Es ist weder ein Übereinander, noch ein Umeinander. Die Weltsicht der Bibel für die ganze Wirklichkeit, auf die wir bezogen sind, ist vielmehr ein Ineinander der beiden Wirklichkeiten.“ (Rohrbach: Naturwissenschaft, Weltbild, Glaube, S.158) Anders gesagt, die unsichtbare Welt durchdringt die sichtbare; sie sind eins und doch zwei. Die unsichtbare Welt Gottes umgibt uns. Daran sollte für Christen kein Zweifel bestehen – auch nicht im Monat Mai anno Domini 2018.

Dr. Dietmar Engfer

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